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Sport Volkswagen gewinnt Rallye Dakar 2009: Kris Nissen im Interview

Motorsport


Volkswagen gewinnt Rallye Dakar 2009: Kris Nissen im Interview

Von Zitzewitz, Pitchford, Nissen, Miller, de VilliersVolkswagen hat bei der Rallye Dakar 2009 gleich doppelt Geschichte geschrieben: Als erster Automobil-Hersteller siegte die Marke mit einem Dieselmotor in der Automobilwertung des Offroad-Klassikers und ist zugleich der Gewinner der "Dakar"-Premiere in Südamerika.

Kris Nissen steht als Volkswagen Motorsport-Direktor hinter dem Einsatz der 4 Race Touareg – und dem Doppelsieg durch Giniel de Villiers/ Dirk von Zitzewitz (ZA/D) und Mark Miller/ Ralph PitchFord (USA/ZA).

Was waren für Sie die 3 schönsten Momente der Rallye Dakar?

Kris Nissen: "Zu den herausragenden Momenten der ‚Dakar' zählte gleich der Start, bei dem man gemerkt hat: Hier feiert ein ganzes Land mit. Die ‚Dakar' ist weltweit bekannt, jeder in Argentinien und Chile wollte aber live dabei sein. Ein zweiter Moment war, als wir nach vier, fünf Tagen gemerkt haben, dass sich unsere Vorbereitung ausgezahlt hat und dass das Team und das Auto perfekt funktionieren. Der dritte gute Moment war, als wir nach dem Unfall von Carlos Sainz und Michel Périn erfahren haben, dass keine gravierenden gesundheitlichen Schäden entstanden sind. Das ist für jemanden, der Verantwortung in einem großen Team wie Volkswagen trägt, sehr wichtig. Und es gab noch einen vierten besonderen Moment: die Zielankunft. Das war einfach nur ein unbeschreiblich schönes Gefühl."

Volkswagen hat die "Dakar" als erster Hersteller mit einem Dieselfahrzeug gewonnen. Wie schätzen Sie diesen Erfolg ein?

"Ich glaube, dass es ein historischer Sieg ist. Es ist eine sehr schwierige Aufgabe, die ‚Dakar' zu gewinnen. Es gibt viel zu viele Unbekannte, und Vorhersagen sind im Vorfeld unmöglich. Volkswagen war in dieser multidimensionalen Sportart von Anfang an erfolgreich und hat beispielsweise schon bei der ersten ‚Dakar' mit dem Race Touareg 2004 Etappen gewonnen. Dann kam bald das erste Podestresultat, das im Jahr darauf noch einmal auf Platz 2 verbessert wurde. 2007 waren wir stark, doch Kleinigkeiten haben uns den Sieg gekostet. 2009 haben wir auch mit dem Endergebnis bewiesen, dass wir das beste Paket haben. Verglichen mit der Konkurrenz von Mitsubishi und X-raid-BMW hat Volkswagen mit der TDI-Technologie seine Diesel-Kompetenz erfolgreich unter Beweis gestellt. Das ist eine schöne Erkenntnis."

Und was bedeutet Ihnen der "Dakar"-Sieg persönlich?

"Beim schwierigsten Rennen der Welt als Team fast perfekte Arbeit abgeliefert zu haben, ist schon eine besondere Erleichterung. ‚One team, o­ne goal' lautete unser Credo für diese ‚Dakar', und wir haben es mit Leben gefüllt. Lange haben wir auf dieses Ziel hingearbeitet. Jetzt kommen die Emotionen erst langsam hoch, langsam beginnt man zu begreifen, was man geleistet hat. Wenn man unseren Jungs in die Augen schaut, dann haben manche Tränen in den Augen, andere sind einfach nur happy – aber unglücklich ist niemand. Ich bin stolz darauf, die Möglichkeit bekommen zu haben, mit einer solchen Truppe, einem solch tollen Team zusammenarbeiten zu können."

Was sind denn die wichtigsten Puzzle-Teile, die im Gefüge Volkswagen Motorsport zum "Dakar"-Erfolg beigetragen haben?

"Das kann man in 2 große Themengebiete teilen. Zum einen haben wir mit einem kleinen, kraftvollen TDI-Dieselmotor und einem hochentwickelten Chassis die technischen Möglichkeiten geschaffen, die uns auf jeder Wertungsprüfung das beste Paket verschafft haben. Dort sind die Techniker von Volkswagen Motorsport, aber auch die Technische Entwicklung in Wolfsburg ein wichtiger Bestandteil. Zum anderen stimmt bei uns im Team das Menschliche: Wir haben ein Team aufgebaut, in dem jeder seine Aufgaben erfüllt, aber auch seinen Kollegen hilft. Jeder akzeptiert den anderen. Und das führt zu einem großen Zusammenhalt."

Die TDI-Technologie des Volkswagen Konzerns war im Motorsport nun überall dort erfolgreich, wo sie eingesetzt wurde. Beispielsweise mit Audi beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans oder im SEAT in der Tourenwagen-WM. Jetzt hat Volkswagen mit diesem Konzept die "Dakar" gewonnen. Was macht es so überlegen?

"In erster Linie war der Volkswagen Konzern bei dieser Technologie von Anfang an wegbereitend, hat das Potenzial dahinter erkannt und die Entwicklung Schritt für Schritt vorangetrieben. Das hat dazu geführt, dass mit dieser Diesel-Technologie in der Zusammenarbeit mit den Motorsport-Technikern in den einzelnen Disziplinen gute Pakete geschnürt wurden – ob es im Tourenwagen-, Sportwagen- oder Offroad-Bereich ist. Ich persönlich glaube, dass die TDI-Technologie des Volkswagen Konzerns denen anderer voraus ist. Und selbstverständlich kommen die Erfolge im Motorsport der Serie zu Gute."

Eine Auffälligkeit bei der Rallye Dakar war auch die Arbeitsweise des Teams, das "cool, calm and collected", also abgeklärt, ruhig und konzentriert vorgegangen ist. Wie hoch ist der Anteil des Teams am Erfolg einzuschätzen?

"Jeder, der einmal versucht hat, im Stress ein Hemd zuzuknöpfen und eine Krawatte zu binden, der weiß, dass das selten zu dem Erfolg führt, den man sich wünscht. Und man muss es 2- oder 3-mal versuchen. So ist es auch bei einem Team auf der Rallye Dakar: Wenn sich jeder einzelne die Zeit und die Ruhe nimmt, einen Vorgang vernünftig zu Ende zu bringen, ist es beim ersten Mal dann auch abgeschlossen. Das ist letztlich nicht nur besser, sondern auch schneller. Ich glaube, dass wir dieses Prinzip gut bei uns eingeführt haben. Die Prozesse werden jetzt besser kommuniziert und sind im Ernstfall so auf mehrere Schultern verteilbar. Das macht das gesamte Team stärker. Das war bei dieser ‚Dakar' ein Schlüsselfaktor. Obwohl die Beanspruchung der Autos härter als je zuvor war, waren wir täglich früher mit unserem Service fertig als die Konkurrenz. Und hatten so auch permanent die besser ausgeruhte Mannschaft."

Ein bisschen Glück gehört zum Erfolg auch dazu. Was hätte während der "Dakar" auf keinen Fall passieren dürfen?

"Technisch waren wir so gut vorbereitet, dass wir immer wussten, wo wir stehen. Das Schlimmste, was passieren hätte können, wäre angesichts unserer verhaltenen Fahrweise zu Beginn ein großer Rückstand auf einen Konkurrenten gewesen. Dann die Fahrer einzubremsen und weiter nur unser Tempo zu halten, wäre schwierig zu vermitteln gewesen. Aber das Gegenteil ist eingetreten: Nach ein paar Tagen haben unsere Gegner gemerkt, wie stark wir sind und sind teilweise über ihren Verhältnissen gefahren. Das haben beispielsweise Carlos Sainz und sein Beifahrer Michel Périn immer kontern können, ohne dabei zu viel Risiko einzugehen. Ich denke, dass hat einige unserer Mitbewerber in Fehler getrieben."

Mit Sainz/Périn ist ein Race Touareg aber auch nach einem Unfall vorzeitig ausgeschieden. Konnte man erwarten, dass alle vier eingesetzten Volkswagen auch das Ziel erreichen?

"Man kann bei einer so harten Rallye nicht erwarten, mit vier Autos zu starten und diese vier auch alle ins Ziel zu bringen. Wie erwartet haben wir kaum technische Probleme bekommen. Dass man ein Auto verliert, kann man nie verhindern. Dass Carlos und Michel Pech hatten, müssen wir akzeptieren. Sie haben die Pace gemacht und in der Folge häufig die Etappe danach eröffnen müssen. Das ist immer ein Risiko. Ich bin froh, dass sie den Unfall gut überstanden haben. Verglichen mit unserer direkten Konkurrenz haben wir aber insgesamt mit nur einem Ausfall einen hervorragenden Job gemacht."

Wenn man Sie im Biwak beobachtet hat, dann konnte man die Anspannung spüren. Was hat diese Rallye Dakar so nervenaufreibend gemacht?

"Bei einer Marathon-Rallye, ganz besonders bei der ‚Dakar', sind die Wertungsprüfungen besonders lang und man hat nur sehr wenige Informationen, wie es auf der Etappe läuft. Auch wenn man alle Kommunikationskanäle anzapft – beispielsweise über Satellitentelefon Zwischenzeiten bekommt – dann ist man dennoch immer im Ungewissen. Für die Wartenden im Biwak ist das manchmal schwer zu ertragen und die Spannung baut sich immer mehr auf. Aber nach wenigen Tagen wussten wir genau: Wir sind auf Schotter konkurrenzfähig, im Sand und in diesen gewaltigen Dünen sogar etwas besser als unsere Gegner. Und ich wusste, dass das Team gut und fehlerfrei arbeitet, und dass die Fahrer konzentriert zu Werke gehen. Das alles hat mich wiederum stark beruhigt."

Kris Nissen – Motorsport-Direktor mit eigenen Rennerfolgen

Kris Nissen, geboren am 20. Juli 1960 in Arnum in Dänemark, erzielte als Profi-Rennfahrer zahlreiche internationale Erfolge und setzt seine Motorsport-Karriere seitdem im Management fort. Nach Kartrennen in seiner Heimat gelang Nissen der Aufstieg in den Formel-Sport, den er 1986 mit dem Gewinn der Deutschen Formel-3­Meisterschaft mit Volkswagen krönte. Es folgten etliche Siege in Sport- und Tourenwagen-Meisterschaften sowie Testfahrten in der Formel 1. Seit 1998 war er maßgeblich an Konzept und Aufbau des Lupo-Cup beteiligt und übernahm im Juli 2003 die Funktion des Volkswagen Motorsport-Direktors. Kris Nissen ist verheiratet und hat 2 Kinder.


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