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Thema: Motorsport


Volkswagen gewinnt Grand Challenge 2005

Volkswagen hat am Samstag mit einem Touareg TDI die amerikanische Grand Challenge 2005 gewonnen. Stärker als bei jedem Formel 1- oder Rallye-WM-Lauf entschied allein die Perfektion des Fahrzeugs über Sieg und Niederlage. Hintergrund: Die Grand Challenge war ein 220 Kilometer langes Rennen für autonome Automobile. Und deshalb gab es keine Fahrer. Der auf den internen Namen "Stanley" getaufte Geländewagen übernahm diesen Job selbst. Nach sechs Stunden und 54 Minuten hatte der Touareg den letzten Meter der vor dem Start streng geheim gehaltenen Strecke durch die Mojave-Wüste bei Las Vegas zielsicher zurückgelegt. Er ist damit das erste Auto überhaupt, das autonom eine derart lange Strecke gefahren ist.

Dazu Dr. Franz-Josef Paefgen, Leiter Volkswagen Konzernforschung und Motorsport, direkt nach der Zieldurchfahrt: "Eine fantastische Leistung, auf die wir sehr stolz sind. In weniger als zwölf Monaten hat ein Team aus der Volkswagen Konzernforschung, dem konzerneigenen Electronic Research Laboratory (ERL) in Palo Alto, Kalifornien, und der Stanford University den Touareg ‚Stanley’ entwickelt. Wir haben heute einen großen Schritt in die automobile Welt von morgen getan."

In dieser Welt von morgen werden die Autofahrer mittels innovativer Fahrerassistenzsysteme eine neue Dimension der Mobilität erleben. Dabei geht es nicht darum, den Fahrer zu entmündigen. Vielmehr werden Assistenzsysteme – wie im Prototyp "Stanley" erstmals als Verbund integriert – für ein Plus an Sicherheit und Komfort sorgen. "Diese Technologien", bestätigt Sebastian Thrun, Leiter des siegreichen Touareg-Teams und des Labors für künstliche Intelligenz der Stanford School of Engineering, "werden im zivilen Bereich Leben retten, da sie das Autofahren sicherer machen".

Der Siegeszug dieser Assistenzsysteme hat bereits begonnen. Beispiel Passat: Optional wird er als erstes Fahrzeug der Mittelklasse mit einer automatischen Distanzregelung (ADR + Anhaltewegverkürzung) zu haben sein, die via Radarmessung bestimmte Gefahrensituationen erkennt und präventiv die Bremsen "scharf" macht. Ein weiteres System dieser Art steht ebenfalls kurz vor dem Serieneinsatz: das ESP + Fahrempfehlung. Es gibt in kritischen Situationen Impulse an die Lenkung weiter, die den Fahrer insbesondere auf Straßen mit unterschiedlichen Reibwerten (etwa links trocken, rechts Nässe) intuitiv zum richtigen Gegenlenken bewegen. Folge: ein um bis zu zehn Prozent kürzerer Bremsweg.

"Stanley" fährt mit regenerativer Energie: SunFuel

Gleichzeitig zeigte der Erfolg des von Computern gesteuerten Touareg das große Potential der Volkswagen Diesel-Technologie: Als einziges der 23 im Grand-Challenge-Finale gestarteten Fahrzeuge wurde dessen serienmäßiger Turbodiesel-Direkteinspritzer (TDI) mit regenerativem SunFuel angetrieben. Dieser synthetisch aus Biomasse gewonnene und in der Verbrennung extrem emissionsarme Kraftstoff bildet eine wichtige Säule für den umweltfreundlichen Verkehr von morgen. SunFuel ist nahezu klimaneutral. Die Treibhausgasemissionen liegen um bis zu 90 Prozent unter den entsprechenden Werten fossiler Kraftstoffe.

Hightech-Labor auf der Basis eines serienmäßigen Touareg

Die technische Basis des 128 kW / 174 PS starken Geländewagens wurde praktisch unverändert aus der Serie übernommen und lediglich mit einem kompletten Unterbodenschutz sowie verstärkten Stoßdämpfern modifiziert. Dann aber verwandelte das Team der Entwickler "Stanley" in ein fahrendes Hightech-Labor. Zahllose Sensoren sowie ein Verbund von vier Laser-Detektoren ermittelten jene Daten, mit denen das fahrerlose Automobil in der Mojave-Wüste sicher und zügig seinen Weg fand. Ergänzt wurden die Systeme durch Stereo-Sichtgeräte, hoch entwickelte 24-GHz-Radaranlagen und ein besonders exakt analysierendes, satellitengestütztes GPS-Navigationssystem, das die genaue Position des Fahrzeugs auf den Millimeter genau digital abbildete.

Diese geballte Informationsflut fütterte das im Kofferraum des Geländewagens untergebrachte Hochleistungs-Rechenzentrum aus sieben zusammengeschalteten Pentium-M-Motherboards. Mit einer Rechenleistung von 1,6 GHz pro Prozessor sowie einer ebenso aufwendigen und einzigartigen Software ermittelte es jene Lenk-, Beschleunigungs- und Verzögerungsbefehle, mit denen "Stanley" über "Drive-by-wire"-Systeme elektronisch gesteuert wurde und auf Besonderheiten der Strecke in Echtzeit reagieren konnte. Wie gut das im Wettbewerb funktionierte zeigt die Tatsache, dass nur fünf der 23 Finalisten das Ziel der Grand Challenge 2005 erreichten.


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